Gedanken · Schwangerschaft

Was man bei der ersten Schwangerschaft oft nicht weiß und danach erfolgreich verdrängt

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Heute Morgen als ich mal wieder intensiv mit dem Badporzellan gekuschelt habe, fiel mir auf, dass ich mir das damals, vor dem ersten Kind, nicht so vorgestellt habe. Ja, klar ein wenig Morgenübelkeit, ein paar Kilos mehr, Schwangerschaftsgelüste und ansonsten Bauch streicheln,schöne Bildchen machen, 9 Monate ohne Tampons leben und am Ende das Würmchen in den Armen halten. Ein Kinderspiel … ja dachte ich wirklich. Total naiv, aber sind wir ehrlich, wenn man gerade den positiven Test in den Händen hält, dann ist doch alles andere egal.

Bei meinem Großen war ich verwöhnt, ganz ehrlich, es war eine Traumschwangerschaft. Abgesehen von den 25kg Gewichtszunahme und dem Wasser in den Beinen. Ich konnte alles essen, alles tun und lassen. Klar müde war ich andauernd und musste damals die Schule unterbrechen, weil ich das ein oder andere Mal im Unterricht geschlafen habe, aber ich war damals 19! Mit 19 ist es eben doch alles noch ein wenig anders, glaubt mir!

Auch die Stillzeit ließ sich ertragen, im Übrigen auch die schlaflosen Nächte. Weiß bis heute nicht, wie ich es im September geschafft habe wieder in die Schule zu gehen, nachdem der Große ja erst Ende Juli geboren war und trotz schlaflosen Nächten morgens in der ersten Reihe saß.

Mit 25 wurde ich mit der Mini schwanger und da hab ich das erste Mal gemerkt, wie unterschiedlich der Körper reagieren kann. Wochenlang hatte ich anfangs mit Morgenübelkeit zu kämpfen. Morgens war quasi nichts mit mir anzufangen, was ein Glück, dass der Große zu diesem Zeitpunkt schon  5 Jahre alt war und schon einigermaßen verstanden hat, dass Mama gerade nicht so funktioniert wie sie sollte.

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Abends war aber auch nicht wirklich was mit mir anzufangen, nach GZSZ war ich meistens schon weggepennt. Anfangs hab ich bis morgens durchgeschlafen wie ein Murmeltier, bis die Mini auf die Idee kam nachts Party zu feiern. Jaaaa es ist wunderschön die Bewegungen seines Kindes zu spüren, aber nachts um 3 Uhr davon geweckt zu werden muss echt nicht sein, genauso wenig wie die Schlaflosigkeit dank Rückenschmerzen.

Und dann denkst du, dass wäre genug Leiden, nein dann siehst auch noch aus als wärst nochmal 13 und die Hormone jagen das erste Mal durch deinen Körper. Und es hilft nichts, bis die Schwangerschaftshormone sich ausgependelt haben. Ganz toll, als wäre man sonst nicht deprimiert genug, wenn man all die perfekten Mamas sieht, die morgens um halb fünf zum Windeln wechseln schon aussehen, als wären sie auf dem Weg zum Fashion Shooting.

So und nun bin ich 30 und schwanger mit Zwillingen! Und da es eindeutig die letzte Schwangerschaft ist, dachte sich mein Körper glaub so: „Komm nimmste mal alles mit!“

Anfangs habe ich min. 5 mal am Tag über dem Porzellan gehangen, wobei was heißt anfangs?  Das ging bis zur 15 Schwangerschaftswoche. Gleich nach dem Aufstehen, nach dem Essen, jedes Mal, wenn ich vom Sofa aufgestanden bin oder wenn ich mich aufgeregt habe. Essen konnte ich schon gar nichts mehr, trinken auch nicht. Ich trinke ja seit Jahren leider so gut wie nur Cola ( Schande auf mein Haupt), aber nicht mal Sprudel ging. Tee, ungesüßt oder stilles Wasser, jaaaammy ❤

Die Farbe rot war übrigens ein Tabu 😀 Während ich bei der Mini mich quasi nur von Tomaten ernährt habe, obwohl ich vorher nicht mal welche mochte, konnte ich dieses Mal weder Tomaten, Paprika oder andere rote Lebensmittel essen.

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Wie bei den beiden Großen hatte ich keine Lust auf Süßes, kann auch jetzt nur wenig gesüßtes essen. Jackpot, dachte ich, vielleicht sind die Kids dann keine Schockoladenjunkies. Ja falsch gedacht! Aber meine Vorliebe für Senf auf alles Mögliche während der Schwangerschaft und den Heißhunger auf Tomaten hab ich zumindest an die Mini vererbt. Im Kindi schauen sie glaub oft nicht schlecht, wenn sie mal wieder ein Leberwurstbrot mit dick Senf drauf mit in der Brotdose hat.

Mittlerweile muss ich mich nicht mehr ganz so oft übergeben, dafür renn ich aber trotzdem min 10 mal am Tag auf Toilette. Kaum was getrunken, zack renn ich wieder. Nachts plane ich quasi schon zwei Toilettengänge ein. Einen  nutze ich dem Mann zu sagen, er sollte mal langsam ins Bett ,den zweiten häufig dann um den Fernsehr und das Licht auszuschalten und darüber zu meckern, dass ich es mal wieder wusste.

Die Nacht ist eh so ein Thema für sich. Ohne Stillkissen geht gar nichts! Das umklammer ich quasi wie ein Teenie das heißgeliebte Justin Bieber Kissen und jedes Mal, wenn ich mich umdrehen will, wache ich auf, denn dann muss das Kissen neu gerichtet werden. Der Bauch ist zu groß um ohne zu schlafen (muss unterlegt werden) und mein Rücken würde mich ansonsten auch umbringen.

Wenn die Nacht dann überstanden, der Streuselkuchen abgedeckt und der Dickbauch verhüllt ist, geht der Tag los mit leckerem Schwangerschaftstee. Ja man hat auch die Angewohnheit alles zu kaufen, auf dem Schwangerschaft steht, vor allem wenn man weiß, es ist die letzte Schwangerschaft, aber dazu schreib ich demnächst mal. Darüber was wirklich sinnvoll ist und was man am Besten nicht mal in die Hand nimmt.

Wenn man dann das Sodbrennen überstanden hat, isst man so ca. 10 mal am Tag, weil große Portionen schon gar nicht mehr in den Magen passen. Ihr solltet nur aufpassen,dass eure Männer nicht gleichziehen… ( meiner ist momentan nämlich mit schwanger und wiegt das erste Mal in seinem Leben 80kg 😀 )

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Dann will man natürlich auch mal rausgehen, kommt kaum runter an die Schuhe (deswegen waren Sommerschwangerchaften wirklich super, FlipFlop rein und gut), kann nicht ewig im Auto sitzen, weil das Kind bzw. die Kinder meinen , dass sitzen doof ist und laufen ist dann auch noch so ein Thema. 10 min im Schneckentempo sind härter als jeder Marathon, ich schwöre! Und wenn du es dann ins Einkaufszentrum geschafft hast, um deine endlose Liste von Dingen zu kaufen, die ein Baby so brauch, dann laufen da diese modelähnlichen Frauen in mega Outfits, mit makelloser Haut und glänzenden Haaren umher ( die Wahrnehmung ist hormonbedingt etwas getrübt), während du wie ein Walroß schnaubst, dich freust, dass der Stillbh nicht drückt, das Shirt noch nicht vollgekleckert ist  und es nur noch 10 min. bis zum nächsten Snack sind.

Und im Übrigen sollte man sich mit dem Gedanken anfreunden, dass man wochen- bzw. monatelang die untere Körperhälfte nicht sehen kann. Welch Widerspruch, das Körperteil, dass quasi Schuld an allem ist, macht sich aus dem Staub und tut so als wäre es nicht da. Wenn man irgendwann gar keine Hemmungen mehr hat, kann man dann entweder den Mann bitten einem beim Rasieren zu helfen oder pflegt das gute alte Back 2 Nature Prinzip. Aber bis dahin sitzt man mit Spiegel, alternativ mit dem Handy und der Selfie Funktion an im Bad und verrenkt sich so gut man kann.

Die Hemmungen legt man spätestens nach dem ersten gemeinsamen Kind ab, denn was dann alles noch im Kreißsaal an Peinlichkeiten passieren kann, möchte ich jetzt lieber nicht erwähnen.

Aber egal wie sehr wir jammern, egal wie sehr wir leiden, wie mies wir uns fühlen, wie wenig Selbstbewusstsein wir an manchen Tagen haben, am Ende interessiert das überhaupt nicht mehr. Am Ende zählt nur der kleine Wurm, der friedlich auf unserer Brust liegt und wir von soviel Liebe erfüllt sind, dass man all das vergisst.

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