Gedanken

Wieso wir nun eine Bestattungsversicherung haben…

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Es gibt Themen, die will man am liebsten verdrängen. Nicht darüber nachdenken, geschweige denn sich ernsthaft damit auseinander setzen. Der eigene Tod und der des Partners gehört da mit Sicherheit dazu.

Ganz ehrlich? Bis November letzten Jahr bin ich auch Recht naiv durch diese Welt gegangen. Meine Großeltern sind beide über 70 und  ich kann mir nicht vorstellen, dass sie eines Tages nicht mehr da sind. Wie auch, sie waren mein ganzes Leben da. Genauso werden irgendwann auch mein Vater und seine Frau nicht mehr da sein. Wie ich aber diesen Teil meiner Familie kenne, haben die sich Gedanken gemacht. Gedanken darüber, was nach ihrem Tod passieren soll.

Meine Mutter hatte sich diese Gedanken nicht gemacht. Es gab weder ein Testament noch gab es genügend Rücklagen, aus denen man die Beerdigung hätte bezahlen können. Das war nach dem plötzlichen Tod der zweite Schock in kurzer Zeit, der mich aus der Bahn geworfen hat.

Egal, wie man es dreht und wendet, egal ob man ein Erbe antritt oder nicht, als nächster Angehörige ist man verpflichtet, die Bestattungskosten zu tragen. Und auch wenn man alles klein hält, fangen die Kosten bei 4.000 Euro an. Ob das dann dem entspricht, was man seinen Angehörigen bieten möchte, ist dann aber auch noch eine andere Frage.

Das wir gerade erst erfahren haben, dass wir Zwillinge bekommen, hat das Leben nicht interessiert. Das Leben ist eben nicht planbar! Und das unsere Rücklagen mit Anschaffungen wie Zwillingswagen und Co. erstmal aufgebraucht waren, war unser Problem.

Ich bin das einzige Kind meiner Mutter, sie war nicht verheiratet und auch sonst gab es keine Angehörigen, die man hätte mit in die Pflicht nehmen können. Hätte ich meine Großeltern nicht gehabt, ich wüsste nicht, wie ich hätte all das bewältigen sollen.

Ich bin dankbar für diese Hilfe, aber genauso nachdenklich hat es mich gemacht. Was ist, wenn wir uns gerade ein neues Auto kaufen müssen und ich plötzlich sterbe? Oder wenn mein Mann auf Grund einer Umstrukturierung arbeitslos wird und unsere Rücklagen weg sind und er zusätzlich dazu, dass er von jetzt auf nachher alleine verantwortlich für unsere Kinder ist, auch noch eine Beerdigung planen und zahlen muss.

Ja ich wünsche mir, dass ich eines Tages im Schaukelstuhl noch meinen Urenkeln beim Spielen zu schauen kann, aber genauso muss mir bewusst sein, dass das Leben viel zu kurz ist. Meine Mutter war auch gerade mal 53, gesund und stand mitten im Leben.

Daher haben mein Mann und ich zusammen beschlossen eine Bestattungskostenversicherung abzuschließen, um uns abzusichern. Früher gab es das sogenannte Sterbegeld von den Krankenkassen, aber trotz steigender Beiträge, wurde das abgeschafft. Das ist aber vielen nicht bewusst !  Von der Krankenkasse bekommt man keinen Zuschuss mehr.

Normalerweise versichern viele Anbieter erst ab einem Alter von 40 Jahren und die Laufzeit ist wählbar ( bis 65 oder 85). Da ich aber erst 30 geworden bin, eigentlich gesund und momentan dank der Zwillinge voller Leben, wurde ich schon etwas schräg angeschaut, als ich mir Informationen geholt habe, aber als ich dann sagte wieso, weshalb, warum leuchtete es jedem ein. Jetzt sind es nur ein paar Euro im Monat ( Versicherungen gibt es z.B. ab ca.8 Euro bei einer Laufzeit bis 85Jahren ab einem Alter von 30Jahren mit einer Deckungssumme von 5.000 €,)

Wer weiß, ob ich im Alter Rücklagen habe? Wer weiß schon wie das Leben spielt? Wir schließen Lebensversicherungen ab und hoffen dadurch eine Rücklage zu haben, für den Ernstfall. Das ist ja schön, aber diese Versicherungen sind bis auf den letzten Cent im Ernstfall pfändbar, wenn das Vermögen aus der Versicherungssumme nicht komplett an eine Dritte Person abgetreten wurde, bzw. unter Vorbehalt abgetreten wurde. Eine Bestattungsversicherung nicht! Sie erfüllt nur einen Zweck: nämlich den Verstorbenem die Bestattung zu garantieren, die er wollte. Natürlich rechnet keiner damit im Alter verschuldet zu sein, aber sind wir ehrlich wer weiß wie uns das Leben mitspielt?

Denn wer sich nämlich freut, er hätte 5.000 € geerbt, wird nämlich nicht schlecht staunen, wenn dann zu aller erst von dieser Summe erstmal die Bestattungs- und Nachlasskosten bezahlt werden müssen, bevor das Erbe ausbezahlt werden kann. Von den Kosten vom Erbschein möchte ich gar nicht erst reden, der Sinn hat sich mir bis heute nicht erklärt. Der Erbschein hätte mich nämlich min. 300 Euro gekostet, unabhängig davon, ob es Schulden sind, die ich erbe oder einen kleinen Betrag. Aber wie gesagt, das hätte er mich mindestens gekostet. Da ich Alleinerbe bin ist das ein wenig anders, aber ich möchte nicht zu weit ausholen.

Was ich euch mit diesem Artikel einfach sagen möchte ist, dass das Leben viel zu schön ist, um sich nur mit negativem zu beschäftigen. Und das möchte ich auch hinterlassen, meinem Mann und meinen Kindern. Sie werden trauern, keine Frage, aber ich möchte keinen Scherbenhaufen hinterlassen, weil das Leben eine andere Geschichte geschrieben hat, als wir uns gewünscht und geplant haben. Ich möchte, wenn es soweit ist und der letzte Vorhang für mich fällt, dass das Leben für meine Familie weitergeht und das Schöne im Leben wieder seinen Platz finden kann, ohne Sorgen und Ängste.

Nein,
sorg‘ dich nicht um mich.
Du weißt,
ich liebe das Leben
und weine ich manchmal noch um dich,
das geht vorüber sicherlich.
Was kann mir schon gescheh’n?
Glaub‘ mir, ich liebe das Leben.
Das Karussell wird sich weiterdreh’n
auch wenn wir auseinandergeh’n.

Vicky Leandros

 

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