Schwangerschaft

Mein persönlicher Endgegner // Der Kaiserschnitt

Dani_Schwangerschaftshooting-10Wie die Mini den Weg zu uns fand

Der 29.07.12 war ein Sonntag und wie üblich sonntags lief Monk im Fernseher. Monk gehört eindeutig zu meinen Lieblingsserien und ich werde den Augenblick gegen 11 Uhr vormittags nie vergessen, als während der Sendung meine Fruchtblase geplatzt ist. Mein Mann war mit seinen Kindern unterwegs und mein Sohn war bei meinen Großeltern – es waren Sommerferien und ich einfach zu schlapp um aus dem Haus zu gehen.

Und so saß ich dann alleine in meinem nassen Bett, dem Handy in der Hand und Adrian Monk als einzigstem Beistand 😀 . Nachdem ich meinen Mann damals angerufen habe, habe ich einen Krankenwagen gerufen, da mein Mann erstmal aus dem Freibad inkl. der Kids loseilen und sie zur Oma bringen musste. Lustigerweise kamen wir gleichzeitig im Krankenhaus an, also damals fuhren wir nur meinen alten klapprigen Toyota Yaris, aber glaube an dem Tag hat mein Mann sämtliche Rekorde mit der Klapperkiste aufgestellt.

Und während wir dann im Kreißsaal auf die Wehen gewartet haben, hatte ich mir zweitweise gewünscht, er wäre nur halb so schnell da gewesen. Oh weia war der nervös und hat mich teilweise mit seinen Aussagen so auf die Palme gebracht, dass ich über Essens- und Raucherpausen ( also er, nicht ich) echt froh war. Gegen Abend wurde er dank ausbleibender Wehen nach Hause geschickt. Man muss dazu sagen , er braucht min. 5 Wecker morgens um überhaupt die Augen aufzumachen, also meine Hoffnung, dass er pünktlich zur Geburt wieder da ist, war gleich Null.

Als aber die Wehen eingesetzt haben und mir ein Telefon in die Hand gedrückt wurde, war er gleich nach dem ersten Klingeln dran und schrie ins Telefon: Ich bin schon unterwegs! Aber als ich das Telefon weggelegt hatte, wurde mir gesagt, dass man nicht mehr warten könne, da die Herztöne meiner Tocher so schlecht seien, dass ich sofort in den OP müsse.

Ich hatte noch nie einen OP von innen gesehen und um ehrlich zu sein, war ich bis dato auch nur zur Geburt meines Sohnes im Krankenhaus gewesen. Ich habe angefangen zu weinen und habe glaub an die Tausend mal gesagt, dass ich das ohne meinen Mann nicht mache. Vielleicht wirkt das auf den ein oder anderen lächerlich, aber ich habe mich so allein und hilflos gefühlt und war komplett überfordert mit der Situation.

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An mehr kann ich mich um ehrlich zu sein nicht mehr erinnern, nur dass ich das alles so nicht wollte. Als ich das erste Mal wieder aufgewacht bin, saß mein Mann neben mir mit einem Baby auf dem Arm. Die Frage: “ Wem gehört das Kind“ konnte ich wohl noch stellen, bevor ich wieder weg war. Irgendwann wurde mir im Halbschlaf meine Tochter in den Arm gelegt und ich wurde in unser Zimmer geschoben, in dem lauter fremde Menschen standen. Meine Zimmergenossin hatte Besuch und irgendwie nahm auf mich dabei keiner wirklich Rücksicht.

Ich war zu schwach um mich selbst um meine Tochter zu kümmern, musste aber schon nach wenigen Stunden aufstehen, was für mich Folter gleich kam.Nach einer Nacht im Krankenhaus habe ich es nicht mehr ausgehalten und mein Mann hat mich abgeholt.

Ich hatte das Gefühl versagt zu haben, habe mich unwohl gefühlt. Die Narbe, die man heute sieht, ist kein Teil von mir. Sie ist fremd und geht viel tiefer, als der Schnitt in meinen Körper. Noch heute habe ich mit diesem Einschnitt zu kämpfen. Vielleicht ist das nicht rational, vielleicht ist es sogar naiv, aber ich bin eifersüchtig. Eifersüchtig darauf, dass mir die ersten Momente mit meiner Tochter fehlen. Meine Tochter ist ein Papa Kind und ich bin komplett abgemeldet, wenn der Papa da ist. Oft genug bin ich deswegen so gekränkt, dass ich mich am liebsten ins Eck verkrümmeln möchte und weinen. Ich weiß, sie meint es nicht böse und ich weiß, ich sollte froh sein, dass sie nicht an meinem Rockzipfel hängt und ihren eigenen Kopf hat, aber es tut eben weh und meine kleines Mamaherz schiebt es eben auf die fehlenden ersten Momente.

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Dieses Mal sollte es anders sein…

Ich hatte mich so sehr gefreut, dass ich nach der ersten Aussage eines Arztes in der Entbindungsklinik meiner Wahl die Aussage bekommen habe, dass einer natürlichen Geburt der Zwillinge nichts im Wege steht. Der führende Zwilling lag bereits in Schädellage und der zweite in Querlage. Man sagte mir, dass von 100 Frauen, die mit Zwillingen schwanger sind und natürlich gebären wollen, 75 Frauen auch natürlich entbinden. 25 müssten auf Grund von nicht vorhersehbarer Komplikationen doch einen Kaiserschnitt haben, wovon 1 Frau den ersten Zwilling natürlich und den zweiten per Kaiserschnitt zur Welt bringt.

Ich war beruhigt und hatte keinen Gedanken mehr daran verschwendet, was wäre wenn… bis zu diesem „Oh!“ bei der letzten Untersuchung bei meinem Frauenarzt. Der kleine Dickopf mit seinen schon 2500g hat sich gedreht. Beckenendlage- der Supergau! Keine natürliche Geburt mehr möglich. Es gibt zwar Kliniken, die es trotzdem versuchen, aber um ehrlich zu sein, möchte ich kein Risiko für einen erneuten Notkaiserschnitt eingehen.

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Morgen ist der Termin zur Kaiserschnittplanung und ich habe Angst. Unerklärliche und nicht rationale Angst. Gestern beim Abendessen habe ich einfach losgeweint, mein Mann war irritiert. Ich bin kein Mensch, der gerne über seine Gefühle redet, habe damals alles runtergeschluckt und hatte es bis jetzt verdrängt, was mich belastet hat. Gestern habe ich ihm gesagt, dass es für mich auf keinen Fall in Frage kommt, die OP bei Bewusstsein zu erleben und ich Angst davor habe, dass er damit ein Problem hat. Weil das Zeitfenster bei einer Vollnarkose eben gering ist, bevor die Kinder etwas von der Narkose abbekommen und somit erst mal überwacht werden müssen.

Ehrlich gesagt, bin ich erleichtert, denn er hat mir gesagt, er könne gar nicht mit in den OP um mich zu Beruhigen. Wir haben gemeinsam beschlossen, dass die Operation damit unter Vollnarkose stattfinden soll, damit ich keine Panikattacken bekomme und er nicht zusammenklappt. Trotz allem hoffe ich, dass der kleine Dickschädel es sich nochmal anders überlegt, denn wohl fühle ich mich trotz allem nicht…

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Bilder © Maren Scheffler maren-scheffler.com

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