Gedanken

Wie man eine Ehe in einem Jahr an die Wand fährt // Eine Anleitung

“ Der hatte ja auch keinen Drachen zu Hause sitzen!“ Dieser Satz hat getroffen, mitten in eine offene Stelle und dabei wollte ich doch diejenige sein, die einen wunden Punkt trifft. Ich bin ein Drache… das sitzt!Ich habe mich monatelang gefragt, was mein Fehler ist, warum ich scheitere bei dem Versuch eine Ehe, eine Familie zu retten und dabei ist die Antwort doch so simpel…

Am 05.08.16 habe ich die Liebe meines Lebens geheiratet, um sie für immer zu verlieren. Kurz vor der Hochzeit hatten wir uns entschieden noch ein Kind zu bekommen. Ein Kind, das so aufwachsen soll, wie man es sich wünscht. Als wir damals unsere Tochter bekamen, waren die Bedingungen nicht optimal. Das sind sie oft nicht, ich weiß, und da wir durch jedes Tief, durch jedes noch so dunkle Tal zusammen gegangen sind, wusste ich jetzt wo endlich alles gut ist, jetzt ist der richtige Zeitpunkt dafür. Wir bekommen noch ein Kind.

Die Nachricht, dass wir Zwillinge bekommen, hat uns völlig aus der Bahn geworfen. Einige Tage haben wir darüber gar nicht geredet, aber eins war von Anfang an klar, wir wollten dieses Kind und wir werden auch diese Kinder wollen.

Im Gegensatz zu damals lebten wir schon zusammen, unsere beiden Familien sind zu einer gewachsen und es hätte alles gepasst. Hätte…

Doch was passiert ist, wir entfernten uns immer mehr. Während ich versucht habe die letzten Baustellen in unserem Leben zu einem kleinen Haufen zusammenzuwerfen, vieles einfach abzuschließen und neu zu ordnen, hatte ich immer mehr das Gefühl, dass ich damit alleine da stehe. Aber ich hatte Verständnis, Verständnis dafür, dass einen die Nachricht man bekommt Zwillinge total aus der Bahn wirft. Schließlich sind es nicht unsere ersten Kinder und zum anderen hatte man eben andere Pläne. Aber das Leben hält nun mal nichts von Plänen. Meine Schwangerschaft war auch nichts, wo ich sagen kann, ja das war schön. Ich hatte von Anfang an nur Beschwerden, musste mehrmals täglich gegen Übelkeit kämpfen und an manchen Tagen konnte ich auf Grund von Müdigkeit nicht einmal aufstehen. Ab und an hatte ich mir gewünscht wenigstens für ein paar Stunden einfach mal nicht schwanger zu sein, um einfach wieder einen Wohlfühlmoment zu haben.

Mein Mann hat in der Zeit neue Freunde gefunden, durch ein gemeinsames Hobby, womit ich anfangs wirklich keine Probleme hatte. Ich fand das sogar richtig gut, da in den letzten Jahren auf Grund der Renovierung und zig andrer Probleme kaum Zeit dafür blieb. Aber immer mehr drängte sich mir die Frage auf, wo blieb in den Jahren eigentlich Zeit für uns? Zeit ohne die Kinder, ohne Diskussionen über unsere Baustellen? Ich fing an zu hinterfragen, wieso verbringt er die Zeit lieber mit Freunden als mit mir? Wieso kann man da keine Verbindung aufbauen, nicht gemeinsames daraus machen. Zwar verbindet mich dieses Hobby nicht mit ihnen, aber hey so unterschiedlich sind mein Mann und ich doch nicht. Und wer weiß, vielleicht könnte daraus wirklich was werden und vielleicht ist es auch nicht so wichtig exclusiv Zeit mit ihm zu verbringen, sondern einfach gemeinsam etwas zu tun. Tja der Versuch ging schief… Nicht, weil die Freunde schlechte Menschen sind, nicht, weil man es nicht versucht hätte, sondern weil es einfach nicht passt.

Während es mir mit Ende der Schwangerschaft immer schlechter ging, merkte ich wie das Hobby immer mehr zur Sucht wurde. Es drehte sich alles nur noch darum. Es wurde gelogen, verheimlicht, Dinge über meinen Kopf weg entschieden. “ Ich lass mich nicht einsperren“ – das war nicht meine Absicht, niemals! Aber Fairness, das wollte ich.

Als ich die Zeit vor der Entbindung im Krankenhaus lag, hatte ich nicht mehr das Gefühl, dass ich zähle. Ich lag alleine in diesem Krankenzimmer und habe mehr Tränen vergoßen als je in meinem ganzen Leben. Da lag ich mit den beiden Wunschkindern unter dem Herzen und war allein… nicht dass er mich nicht besucht hätte, körperlich, aber da war er nicht. Ich war ein Wrack und eines abends bin ich weggelaufen. Ich habe mich angezogen und habe die Station verlassen. Ich weiß immer noch nicht, wo ich hin wollte, ich wollte nur weg… was ein Schwachsinn als könnte ich davor davon laufen, dass ich mit dem Mann ,der mich offensichtlich nicht mehr liebt, Zwillinge bekomme. Also saß ich eine Stunde vor dem Krankenhaus, bis ich dachte wie blöd bist du eigentlich. Im Zimmer stand auch schon die Hebamme und nahm mich in den Arm. Eine fremde Frau, der es egal war wieso ich weine, der es egal war, dass wir uns nicht kennen – sie war einfach nur da. Sie rief meinen Mann an – er kam nicht!

Ich suchte mir Hilfe… bei der falschen Person. “ Deine Schwangerschaft ist für uns alle anstrengend“ Bam das saß!

Ich überlegte lange, ob ich nicht alleine die Geburt erleben will, aber als man mir sagte es wäre wirklich nur der Kaiserschnitt möglich, bekam ich Panik und außerdem erwartete ich Fairness, also musste ich auch erstmal fair sein.

Und als mir die 2 kleinen Wunder gezeigt wurden und ich in die Augen meines Mannes sah, dachte ich wirklich alles wird wieder gut. Da ist noch Hoffnung und Liebe. Und als ich wenige Minuten später um mein Leben kämpfte, sah ich auch die Angst in seinen Augen. Als die Ärzte in das Zimmer stürmten und ich alles nur noch wie im Film sah, sah ich all die glücklichen Momente von uns, als Paar, als Familie und wirklich alles Schlechte war weg. Mir wurde bewusst, dass es wichtigeres gibt und dass auch ich Fehler mache und das hier und jetzt ein Neuanfang ist.

Als ich wieder stabil war und 8 Stunden nach der Op endlich auf mein Zimmer durfte, wollte ich nichts mehr als die Nähe zu meinem Mann, doch es war mehr ein Schlag ins Gesicht als Geborgenheit.

Die Tage nach der Entlassung waren hart für uns beide, wir waren kein Team mehr. Wir haben nur noch gestritten, wegen allem… Ich war nur noch müde, traurig und er gereizt. Als die Kleinen 2 Wochen alt waren und er wieder arbeiten ging, schickte ich ihm ein Bild. Von mir. Völlig fertig,am Ende und auf der Suche nach Hilfe. Bald hat er ElternZeit, bald wäre alles besser. Das war Freitag, Sonntag verließ er das Haus morgens um 5 Uhr und kam nachts nach Hause. Schönen Muttertag… die Rosen die mir meine Tochter hätte geben sollen, hätte ich ihm am liebsten um die Ohren gehauen. Stattdessen sind sie in der Waschküche gelandet, wo sie qualvoll verdurstet sind.

1000 Entschuldigen folgten… Ich hätte sie alle so gerne geglaubt. Und ich bin auf ihn zu gegangen,habe gedacht Liebe kann man nur durch mehr Liebe retten. Ich habe gekämpft… wofür weiss ich heute nicht mehr.

Aber ich hatte keine Chance, weil ich zwar wusste wofür aber nicht wogegen ich ankämpfe. Gegen ein Hobby? Kann ein Hobby wirklich so viel wichtiger sein?Ja das kann es … Ich habe verloren, als ich sagte entscheide dich. “ Du hast mir die Pistole auf die Brust gesetzt – ja das habe ich, nach dem er Kompromisse wollte und diese mit Füßen getreten hat.

Ich hatte anderes gehofft, aber zu dieser Zeit nicht mehr erwartet. Für mich war die Trennung klar, wenn sich nichts ändert. Versprechungen hier ein paar Lügen da. Ich wollte, dass er geht. Ich konnte nicht mehr Atmen wenn er in der Nähe war. Ich wollte schreien, nur um zu hören,dass ich noch wer bin. Wollte alles klein hauen, damit nicht nur mein Inneres kaputt ist und am meisten wollte ich, dass er mich umarmt und sagt: ich liebe dich,wir schaffen das… Und es auch so meint.

Aber er ging ohne eine Erklärung und er nahm alles mit… jede Hoffnung, jeder Funke, jeden Glaube an ein Happy End. Wir hatten so viel schon geschafft, aber daran sind wir gescheitert.

Die Frage wieso wir geheiratet haben, habe ich gestellt, die Antwort wollte ich nicht hören. “ Aus Dummheit “ Ich hoffe wirklich,dass sich das alles für ihn lohnt, dass er jetzt glücklich ist, dass er in den Spiegel schauen kann und er es nicht bereut. Für mich bleibt der Schmerz, die Wut, Verzweiflung… Und wenn ich es schreibe, wenn ich es laut lese…immer und immer wieder,wird es real. Dann bleibt es kein Alptraum sondern wird Wirklichkeit. Ich habe verloren,meine Kinder haben verloren … Ich hoffe wenigstens er hat gewonnen… was auch immer.

Eines Tages werde ich auch wieder lachen ohne im gleichen Moment weinen zu wollen, eines Tages werde ich genauso viel bekommen,wie ich gebe, eines Tages weiss ich, dass es so kommen musste… aber erst eines Tages!

7 Kommentare zu „Wie man eine Ehe in einem Jahr an die Wand fährt // Eine Anleitung

  1. Oh wow 😱 am liebsten würde ich dich gerade erstmal feste drücken, denn passende Worte finde ich keine. Bleib stark!

  2. Am Liebsten würde ich mich jetzt direkt ins Auto setzen, zu dir fahren und dich drücken. Heilige Scheiße es sind doch nur ein paar Kilometer! Dani, du wirst es schaffen, du wirst deinen Weg gehen, auch wenn du momentan nur Berge siehst. Irgendwann werden es nur noch kleine Steine sein. Er wird (hoffentlich) irgendwann erkennen, was er für ein Glück hatte und was er verloren hat. Du hast es verdient glücklich zu sein, und das wirst du nachdem der Schmerz nachlässt, dass weiß ich. Du und deine Kleinen ihr werdet einen Weg finden, vielleicht war es für euch nicht bestimmt, dass er euren Weg mit euch geht. Aber du wirst es schaffen ♥
    Fühl dich ganz ganz fest gedrückt♥♥♥

  3. Liebe Löwenstark, dein Blog zeigt, wie stark du bist und das Lachen kommt wieder, wenn du zwischen den ganzen durchwachten Nächten, den unendlich scheinenden Stress, und den zahlreichen Ängsten Luft holen kannst. Dein Mann ist einfach nur ein feiger Schwächling, es geht nicht um ein Hobby oder eine Leidenschaft sondern nur darum, dass er zu schwach, zu feige und zu überfordert war.

    Doch der Unterschied zwischen uns Frauen und den Männern ist – wir können nicht abhauen, wir stehen das durch, wenn nicht gemeinsam dann allein. Wir haben nicht die Wahl, so wie du sie nicht in der Klinik hattest!

    Und wir wollen diese Wahl auch nicht! Wir wollen unsere Kinder nicht nur alle 2 Wochen sehen, wir wollen nicht versäumen wenn sie ihr erstes Wort sagen, ihren ersten Schritt machen, den ersten Tag im Kindergarten und in der Schule sind, wenn sie uns abknutschen, sodass unser Gesicht ganz nass ist, und in unseren Armen einschlafen!

    Also dein Mann ist nicht nur feig sondern auch dumm. Irgendwann wird er das realisieren, doch dann ist es zu spät um Teil im Leben seiner Kinder zu sein.

    Dir wünsche ich viel Kraft die zahlreichen besonderen Momente mit deinen Kleinen wahrzunehmen und die schwierigen durchzustehen – du wirst sehen du schaffst das!

    1. Hi vielen dank für deinen Kommentar . Es stimmt, manches erlebt man nur einmal im Leben und das sind die Momente mit den Kindern . Ich möchte keinen missen und im Besten Falle kann man trotz Trennung Eltern bleiben.

      Bei uns ist das leider nicht der Fall, eventuell noch nicht, vielleicht aber auch niemals.

      Mittlerweile ist doch vieles passiert und ich bin fest der Überzeugung, dass Karma eines Tages alles richten wird und zumindest die Kinder lernen damit umzugehen und irgendwann verzeihen können. Ich werde es nicht, dazu wurde mir die schönste Zeit in meinem Leben genommen.

      Ich wünsche mir oft eine Pausetaste nur damit ich manche Momente bewusster wahr nehmen kann ohne 50 andere Dinge auf dem Plan zu haben .

  4. Ja, das ist so eine Sache: Man sucht bei Andern wovon man selbst zu wenig hat. Bei der Liebe geht es andersherum. Liebe Dich selbst. Stelle dich vor den Spiegel und sag Dir einen liebevollen Satz, aber sei ehrlich! Und wenn die Selbsthass -Sätze in deinem Hirn auftauchen und Du bemerkst es, sag laut und deutlich STOP!!! Immer wieder . Das ist Disziplin die wirkt. Sie prägt sich in Deinem Bewusstsein ein. Ich habe es selbst erlebt und erlebe es immer wieder, jeden Tag. Alles Liebe!

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