Alleinerziehend · Gastbeitrag

Warum es manchmal besser ist, sich zu trennen

Gut alleinerziehend Blog Warum es manchmal besser ist sich zu trennen

Gastbeitrag von Silke Wildner vom Blog gut-alleinerziehend.de

Ich bin im Kino. Auf der Leinwand sind gerade die letzten Minuten einer herrlichen Liebesgeschichte zu sehen. Frau und Herr Hauptdarsteller setzen soeben zum finalen Showdown an und zementieren ihre von nun an ewig währende Liebe – als mich mein Sitznachbarn unsanft aus den Träumen reißt. Scheinbar ist der Film nicht nach seinem Geschmack und er will sofort gehen. Seine Partnerin soll selbstverständlich mit, obwohl sie so aussieht, als würde sie gerne noch die letzte Szene in sich aufsaugen.

Alltagsszenen einer Beziehung – es gibt sie zuhauf. Paare, die sich aus Gewohnheit vieles teilen – nur nicht mehr ihre Leidenschaft. Ob das gemeinsame Leben der beiden auch mit einem emotionalen Urknall begonnen hat? Und wohin hat er sich verflüchtigt?

Die große Liebe – oder was davon übrig bleibt

Aber zurück zum Film. Leider ist der nun zu Ende und man wünscht sich nach diesen Eindrücken diese Liebe wieder selbst zu spüren. Wie es bei der Leinwandliebe wohl weitergeht? Bis zum Ende ihrer Tage oder doch nur als Lebensabschnittsgefährten?

Es gibt ja tatsächlich diese Paare, die ihre Zuneigung und den gegenseitigen Respekt trotz Alltag und Kind(ern) nicht aus den Augen verlieren. Ich wurde vor kurzem selbst Zeugin, wie sich eine alte Bekannte nach 10 Jahren Ehe wie ein frischverknallter Teenager von ihrem Mann morgens verabschiedete. Und das, obwohl sich beide unbeobachtet fühlten. Da kann man schon mal grün werden vor Neid.

Oder man entwickelt daraus einen enormen Ehrgeiz für die eigene Beziehung und blendet den tatsächlichen Stand einfach aus. Immer noch besser, als keinen Partner zu haben, denken viele.

Should I stay or should I go now

Mir ging es selbst nicht anders. Es ist ja schon der Wahnsinn sich zu verlieben. Aber wenn die Liebe dann noch auf Gegenseitigkeit beruht und auch sonst vieles passt, dann feiert man gemeinsam einen Höhepunkt nach dem nächsten. Es wird zusammengezogen, das Leben als Paar zelebriert. Manche heiraten, kaufen oder bauen ein Haus und bekommen dann noch ein Kind oder mehrere.

Und dann? Dann wird es allmählich dünn mit den Highlights. Dann kommt der Alltag und die Routine. Statt weiterer Gemeinsamkeiten entdeckt man die Unterschiede zum Partner. Es kommt zu Differenzen. Aber deswegen wirft man seine Beziehung ja nicht einfach weg. Und so werden Hindernisse überbrückt, Kompromisse eingegangen, geschustert und geflickt an allen Ecken und Enden oder einfach auf emotionale Sendepause gegangen.

Bei Promi-Trennungen werden ja oft „unüberbrückbare Differenzen“ als Scheidungsgrund angegeben. Ich finde, das trifft es ganz gut.

Never let your fear decide your future

Aber wann sind diese „unüberbrückbaren Differenzen“ erreicht? Was ist für uns das finale No-Go, dass uns aktiv die Trennung wählen lässt. Wann hören wir auf, uns selbst zu belügen, mit der Hoffnung, dass es schon wieder irgendwann besser wird. Vielleicht wenn wir nicht mehr so einen Stress haben mit Arbeit und Familie? Oder die Kinder aus dem Gröbsten raus sind…?

Und so verharren viele Paare in Starre und machen einfach gute Mine, obwohl sie innerlich schon längst getrennt sind. Warum?

Weil sie Angst haben. Angst aus ihrer doch gar nicht so schlechten Komfortzone rauszukommen und ihr Leben wieder selbst in die Hand zu nehmen. Angst der Tatsache ins Auge zu sehen, dass die Beziehung vorbei ist. Angst vor der Reaktion der Freunde und Familie. Und Angst von vorne anzufangen und der ungewissen Zukunft: Eine neue Wohnung müsste gesucht werden und die eigenen Finanzen geordnet. Ganz besonders schwer fällt diese Entscheidung, wenn Kinder mit im Spiel sind.

„Ich will mit der Trennung warten, bis die Kinder größer sind“

Das ist eine sehr noble Geste. Aber sie ist weder für dich gewinnbringend noch für deine Kinder förderlich.

Denn deinen Kindern geht es gut, wenn es dir / euch gut geht. Sie sind ganz feinfühlige Wesen, die besser mit der Wahrheit leben können, als mit einer über viele Jahre vorgelebten (kalten) Beziehung. DAS ist dann nämlich das Vorbild einer Beziehung, das eure Kinder dann mit sich tragen. Und dann wählen sie später mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für sich eben so eine Beziehung aus.

Ist das das Vorbild, dass du deinem Kind mitgeben willst? Also Finger weg vom „nur für die Kinder zusammenbleiben“. Wenn bei euch der Hase schon im Pfeffer liegt, dann wissen es die Kinder schon längst. Dazu braucht es keine großen Worte.

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… damit das Gras auf der eigenen (Lebens)Seite wieder grüner wird

Raus aus der Starre und rein in ein selbstbestimmtes Leben

Worauf wartest du in deiner aktuellen Beziehung? Liebst du deinen Partner noch, weißt aber nicht, wie ihr eure Schwierigkeiten aus der Welt schaffen könnt? Dann hört auf darüber zu schweigen und redet offen darüber. Holt euch Hilfe, wenn ihr an einem bestimmten Punkten nicht weiterkommt, damit ihr euch wieder besser verstehen könnt und euer verschütt gegangenes Mitgefühl füreinander wieder wachsen kann.

Das ist sehr befreiend und hilft euch mehr, statt über einen längeren Zeitraum so zu tun, als seid ihr glücklich. Werde aktiv – für dich und dein persönliches Glück. Nur so kannst du noch retten, was zu retten ist. Du bist verantwortlich, dass es dir gut geht. Schiebe diese Eigenverantwortung nicht an den Partner ab mit den Worten: „Du musst dich ändern, nur dann geht es mir wieder gut“.

Wenn nichts mehr zu retten ist

Durch das offene Gespräch wird sich zeigen, wo ihr steht. Es kann auch passieren, dass sich dadurch noch größere Gräben auftun und die Partnerschaft zerbricht. Aber dann gab es auch nichts mehr zu retten.

Meine Ehe zerbrach, als ich mit meinem Mann über uns reden wollte. Da zeigte sich, dass es schon zu spät war. Er war innerlich schon längst weg, hatte nur nicht den Mum es mir zu sagen und so hatte er einfach an meiner Seite ausgeharrt.

Warte nicht darauf, dass du getrennt wirst. Entscheide selbst, ob dich noch was mit deinem Partner emotional verbindet oder eben nicht. Werde aktiv. Überlasse diese Entscheidung und den Zeitpunkt nicht dem anderen. Es ist dein Leben.

Mein persönliches Fazit

Ich selbst war feige. Ich habe mich nicht getraut aus dem täglichen Einerlei auszubrechen, nur weil ich selbst nicht mehr glücklich war. Besser so als mit zwei Kindern alleinerziehend. Dagegen geht es mir in der Ehe doch blendend. Dachte ich.

Jetzt weiß ich es besser. Ich hätte so weitergemacht … und ein richtig gutes Leben verpasst. Ich bin Anfang 40, habe zwei Kinder, bin gesund und finanziell mittlerweile gut aufgestellt. Ich muss nicht darauf warten, dass mich der Tod von meinem Ehepartner scheidet. Ich verbringe meine Zeit jetzt nicht mehr mit dem Warten auf eine Verbesserung in der Beziehung oder das der Partner sich für mich ändert. Ich kann jetzt mein Leben leben – nicht erst wenn ich alt und grau bin.

Ja, ich bin Alleinerziehende UND mir geht es gut. Ich habe keine Angst mehr vor der Zukunft. Ich freue mich darauf. Mehr dazu findest du auf meinem Blog gut-alleinerziehend.deFür mehr Mut und weniger Angst als Alleinerziehende ein gutes Leben zu führen.

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