Gedanken

GEDANKEN |Was wir über Phantasie noch von unseren Kindern lernen können

2018-11-06 091862334492169018359..jpgIch kann mich noch genau daran erinnern, als ich damals DAS Buch in den Händen hielt, das mein komplettes Leben auf den Kopf gestellt hat. Niemals hatte ich mir vorstellen können, das ein Buch sowas kann. Und nein, es war kein Buch über einen Brillenträger mit Narbe. Es war das Buch mit den Schlangen, die sich gegenseitig in den Schwanz bissen, das Buch das wie sonst kein anderes über die Macht der Phanstasie erzählt. Ich wollte gern so sein wie die kindliche Kaiserin, Bastian war mein Held, in Atréyu war ich heimlich verliebt und auf Fuchur wollte ich unbedingt einmal durch das Wolkenmeer fliegen.

Ich hatte schon immer eine überaus blühende Phantasie und hatte nie Probleme damit Geschichten zu erzählen, mit Dinge auszudenken oder vollkommen in ein Buch einzutauchen, aber dennoch war ich genauso Realist, habe Dinge hinterfragt, aber meine Phantasie war immer mein Fluchtweg. Bücher und Phantasiewelten waren meine Zuflucht.  Die meisten Erinnerungen an diese Phantasien sind positiv, dennoch musste ich andere Erfahrung machen, wenn man die Phantasie eben nicht nur mit schönen Dingen füttert. Eine Zeit lang durfte ich sogar nicht mehr in die Bücherei, da ich als mir die Gruselgeschichten von Fear Street und Gänsehaut nicht mehr aus reichten kurzer Hand in der Erwachsenenabteilung zu Stephen King griff und mir selbst nicht eingestehen wollte, dass ich dafür noch nicht bereit war. Das muss mit ca. 12 gewesen sein .

Mein Sohn hingegen war schon immer Realist. Er liest zwar auch für sein Leben gerne und taucht völlig ab, aber Dinge wie den Weihnachtsmann oder den Osterhasen gab es für ihn nicht. Er hat schnell kombiniert, dass Pakete bei Mama und beim Papa mit gleichem Absenderlogo kurz vor Weihnachten kein Zufall sein können und er war auch absolut nicht enttäuscht, als wir ihm die Wahrheit sagten.

2018-11-06 093546310166976883375..jpg

Und dann kam meine Mini und zeigte mir ihre Welt. Ihre Welt aus Phanstasie und Glaube an das Magische. Ich bin fasziniert davon, wie tief in ihr dieser Glaube verankert ist und durch nichts zu erschüttern ist. Zu ihrem vierten Geburtstag bekam sie von ihrem Papa und mir eine Feentür. Wir sagten ihr, dass von nun an ihre Geburtstagsfee auf sie aufpassen würde und bei uns im Garten wohne.  Wir holten einen  Baumstumpf, brachten die Tür daran an und sie legte einen Weg und einen kleinen Garten an. Sie glaubt an den Weihnachtsmann, den Osterhasen, die Zahnfee, Elfen und Zauber jeglicher Art.

Am Anfang dachte ich, ich müsse sie bremsen, müsse sie vor anderen Kindern beschützen, die sie auslachen könnten, vor der Enttäuschung, wenn sie die Wahrheit nicht von uns erfahren würde. Aber egal wie oft ich dieses Gespräch beginne und wie nah wir schon an der Wahrheit sind, sie möchte daran glauben. Wieso soll ich es ihr nehmen?

Als wir diesen Sommer mal durch den Park spaziert sind, fing sie auf einmal an mir den Wald zu erklären. In welchem Baum welche Arten von Feen leben, welche  Bäume Hochhäuser, Schlösser oder sogar ganze Städte sind. Sie erzählte mir, dass Feen auf Eichhörnchen reiten, dass es auch böse Feen gibt, die den Kindern schlechte Träume wünschen und dass sie manchmal sogar welche sehen kann, weil sie ihre Freundin ist. Das Leuchten in ihren Augen werde ich niemals vergessen und ich hoffe inständig, dass ihr dieses Leuchten noch lange bleibt, denn sie wird noch schnell genug lernen müssen, wie die Realität aussieht, wieso sollte man einem Kind sowas nehmen? Ohne Grund?

2018-11-06 095853266528750991201..jpg

Ich habe mit einigen Müttern über Themen wie den Weihnachtsmann und ich bin immer wieder erschrocken darüber, dass Eltern mit Absicht diese Phantasie zerstören, weil sie der Meinung sind, das Kind wäre nun erwachsen genug. Wer entscheidet das? Wir? Wir, die vermutlich in den seltensten Fällen genug Phantasie haben um uns darin zu flüchten, wenn die Welt um uns herum zerbricht. Erwachsene, die ihren Frust viel zu oft im Alkohol ertränken oder teilweise sogar zu Drogen greifen, um der Realität zu entfliehen.  Wir sollten nicht darüber entscheiden, wie viel Phantasie gut für unser Kind ist, wir sollten sie dabei unterstützen Kind sein zu dürfen, aus dem Ganzen hier ab und an auszubrechen, um Kraft zu tanken. Denn wir haben den Glauben an unsere Phantasie verloren, an die Macht, die von ihr ausgeht und versuchen es in Kursen zur Meditation, in Büchern über Traumreisen und Podcasts zum Thema Achtsamkeit wieder zu erlernen.

Und darum bitte ich euch, lasst euren Kindern den Glauben an all das Phantastische, an den Weihnachtsmann, das Christkind, die Zahnfee und was es alles gibt. Macht euch keine Gedanken darüber, was andere darüber denken, lasst sie reden. Eure Kinder wissen vermutlich tief innen, dass das alles reine Phantasie ist, ABER sie möchten es glauben, denn vieles um sie herum verwirrt sie tag täglich. Also lassen wir ihnen doch solange wie möglich die Tür nach Phantasien offen, denn eines Tages schließt sich diese Tür leider von selbst und um den Schlüssel dorthin wieder zu finden, ist ein langer Weg.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s